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Eine Kindheit am Reitstall – und was sie mit mir gemacht hat

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Eine Kindheit am Reitstall – und was sie mit mir gemacht hat

Liebe Pferdefreund*innen,

unsere Freundin Kristina Sehr hat für Euch einen Gastbeitrag über Ihre Kindheit zu Pferde geschrieben. Wir dachten, dass es gerade für die Eltern von reitsportbegeisterten Kindern toll ist, zu lesen, was der Sport in einem Leben für Auswirkungen haben kann.
Kristina könnte einigen ein Begriff sein. Sie ist die Verfasserin der beliebten Reihe "Wenn mein Pferd Whats App hätte..." und blogt erfolgreich über alle ihre Gedanken zum Reitsport (Instagram / Facebook ).
Darüber hinaus ist es ihr Beruf Geschichten in die digitale Welt zu transportieren. Sie ist Content Creator, Social Media Manager, Texterin, Moderatorin und noch viel mehr.  Alles dazu kann man auf ihrer  Homepage nachlesen.

 

Eine Kindheit am Reitstall und was sie mit mir gemacht hat

Als mein erstes Pony bei uns einzog, war ich fünf Jahre alt. Damals hatte ich nur mäßiges Interesse an Pferden. Doch mein Vater sah das anders: Als Berufsreitrer wartete er nur darauf, dass ich, sein einziges Kind, endlich Interesse an seinem geliebten Sport bekundete. Also beschloss er, ich bräuchte nur einen Schubs in die richtige Richtung. Er kaufte „Murphy“, ein putzmunteres, wildes, stures Shetlandpony, das schon auf den ersten Blick beschloss, mich nicht leiden zu können. Einige Stürze später beschlossen wir, dass das mit Murphy und mir einfach nicht passte. Und so verbrachte ich einige weitere „ponylose“ Jahre – bis ich dann, mit acht Jahren, endlich die magischen Worte aussprach: „Papa, ich wünsche mir ein Pony.“ Was folgte, war eine Jugend im Sattel. Und diese Zeit hat mich bis heute geprägt. Sie reicht weit bis in mein Erwachsenenleben hinein. Heute weiß ich: Ohne die Pferde wäre ich nicht die, die ich heute bin.

Wer mich heute kennenlernt, der kommt meist zunächst über meinen Beruf mit mir ins Gespräch: Mein Job hat etwas mit Text zu tun, mit Journalismus, aber auch mit neuen Medien, Facebook und Instagram. Nur Pferde, die kommen meist nicht darin vor. Und wenn doch, dann nicht, weil ich selbst im Sattel sitze, sondern vielmehr, weil ich zum Beispiel Textarbeiten oder Unterstützung im Internet für Reiter und Pferdesportfimen anbiete. Aber spätestens nach Feierabend setze ich mich in mein Auto und fahre stets denselben Weg: Er führt mich zum Stall, wo mein Pferd „Tobi“ auf mich wartet. Er ist mein Ruhepol. Nach einem langen, stressigen Tag im Büro kann ich bei ihm abschalten.

Aber zurück zu Kindheitstagen: Eine Woche, nachdem ich zum ersten Mal ausgesprochen hatte, dass ich mir ein Pony wünschte, bekam ich Naomi. Eine liebe, etwas schüchterne Ponystute, die mich fortan das Reiten lehrte. Ein wenig lehrte vielleicht auch ich sie das Gerittenwerden. Denn als Tochter eines Reiters, der von Berufs wegen junge Pferde einritt, war es mir quasi vorbestimmt, mein Leben lang nur junge, unerfahrene Pferde zu reiten. Das Credo meines Vaters lautete stets: „Stell dir nur vor, was aus dem Pferd noch werden kann!“ So nahmen die Jahre ihren Lauf, ich bestritt Turnier um Turnier, verbrachte ganze Nachmittage und Abende im Sattel. Bis ich mit 16 beschloss, den Sport vorübergehend an den Nagel zu hängen. Grillabende mit Freunden, Garagen-Parties und „Abhängen“ schienen mir plötzlich wichtiger als der Reitsport. Und so wanderten Reithosen und Stiefel für eine Weile in den Schrank.

Doch wer einmal die Liebe zum Reiten entdeckt hat, den lässt sie nicht mehr los. Nicht lange dauerte es, bis ich zu diesem Hobby zurückkehrte, mir sehnlichst wieder ein Pferd wünschte und mir der Wunsch schließlich erfüllt wurde. Nicht zu reiten, kein Pferd zu pflegen, das fühlte sich an, als würde ein Körperteil fehlen. Meine ganze Familie lebt und atmet diese Leidenschaft. Ohne Pferd ging es nicht.

Heute ist Reiten für mich nicht mehr die Leidenschaft von damals, aber doch mein liebstes Hobby. Und noch immer weiß ich: Ohne geht es nicht. Denn ohne die Pferde wäre ich wohl ein ganz anderer Mensch. Sie haben mich so viel gelehrt: Nie aufzugeben, sondern immer wieder in den Sattel zu steigen. Verantwortung für ein Lebewesen zu übernehmen und nicht sich selbst, sondern dieses Tier an erster Stelle zu sehen. Empathisch zu sein und zu verstehen, dass man nicht nur mit Worten viel sagen kann. Und ja, sie haben mich auch gelehrt, Verantwortung zu übernehmen für den Dreck, den ich produziere: Täglich die Halle „abzuäppeln“, kann eine wichtige Lektion sein.

Und dann ist da noch Tobi, jenes Pferd, das mich nun schon seit sechs Jahren begleitet. Er hat mir wohl mehr beigebracht als jedes andere Pferd vor ihm. Durch ihn habe ich gelernt, welche Prioritäten wirklich wichtig sind – und dass es am Ende nicht auf Schleifen und Pokale, sondern auf tägliche Freude und Freundschaft ankommt. Das mag kitschig klingen, doch es war für mich die wichtigste Erkenntnis.

Kein Mensch hätte mir je all das beibringen können, was ich von Pferden gelernt habe. Tja, warum eigentlich? Vermutlich, weil wir Menschen viel zu leicht unterbrechen können, uns ein Urteil bilden – und weil sie eben auch, nun ja, nur Menschen sind. Den Pferden hingegen habe ich zugehört; mein Leben lang. Und sie haben es mir mit Vertrauen und vielen schönen Momenten gedankt.

Mein Fazit? Wir können unseren Kindern Klavierstunden, Tennisunterricht und Chinesisch-Übungen verordnen und sie werden viel dabei lernen. Wir können ihnen aber auch ein Pony geben – dann lernen sie fürs Leben. Und zwar ein Leben lang.

 
Foto: Janine Honert
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